Schule und Uni: Leistungsförderer – Erfolgsverhinderer?

//Schule und Uni: Leistungsförderer – Erfolgsverhinderer?
Jeder ist ein Genie.
Aber wenn du einen Fisch danach beurteilst, 
ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes
Leben glauben, dass er dumm ist.

Albert Einstein

Unser Schulsystem, zumindest das, das die meisten von uns durchlaufen, ist darauf ausgelegt, dass wir Leistungen bringen. Egal, ob wir Mathe lieben oder hassen, ob wir gut in Deutsch sind oder nicht, ob wir uns auf dem Barren geschickt anstellen oder wie der letzte Depp … Wir werden nach Leistung bewertet, nach Ergebnissen, nicht danach, wer wir wirklich sind. So ist es in der Schulzeit, so ist es während der Uni und bei den meisten Menschen bleibt es auch so in ihrem Job. Später heißen die Dinger einfach nicht mehr Noten, sondern Quartalsziele. Wir sind ab der Grundschule so auf unsere Leistungen und deren Bewertung fokussiert, dass wir nie wirklich herausgefunden haben, was uns Spaß macht und worin wir wirklich gut sind. Und damit fehlt uns die Grundlage für unser Element! Viele fühlen sich wie der sprichwörtliche Fisch, der denkt, er sei ein Idiot, weil er nicht auf Bäume klettern kann. Das ist schade, denn es gibt so viele wundervolle, talentierte Menschen da draußen, deren Begabungen und Intelligenz einfach anders funktionieren, als es in der Schule gemessen wird, und die ihr wahres Potenzial nie kennenlernen und nicht an sich glauben, weil sie gelernt haben: »Du hast es einfach nicht drauf!« 

Interessanterweise gibt es einige Leute, aus denen trotzdem »was« geworden ist, obwohl sie in der Schule keine großen Leuchten waren und man ihnen ihr Talent eigentlich absprach … 

Steve Jobs – brach die Schule ab. 

John Cleese von Monty Pythons – jahrelang hat keiner bemerkt, wie witzig er war!

Paul McCartney – sagte man, er sei vollkommen unmusikalisch.

Elvis Presley – flog aus dem Chor, weil seine Stimme angeblich das Gesamtbild »störte«. 

Richard Branson, Walt Disney und Bill Gates haben etwas gemeinsam: Sie sind Legastheniker – und haben es trotzdem geschafft, richtig erfolgreich zu werden!

Und von Paulo Coelho, einem der bedeutendsten noch lebenden Autoren, erzählt man sogar, seine Eltern seien mit ihm als Kind in eine psychologische Einrichtung gegangen, damit er aufhörte, davon zu träumen, Schriftsteller zu werden. Hallo, Coelho wollte Autor werden, nicht Serienmörder!

Bei Facebook habe ich kürzlich schmunzelnd ein Posting entdeckt. Ein Foto von einem Schulaufsatz, in dem stand: »Die meisten Erwachsenen werden als Kind geboren.« Die Ironie darin ist: Wie oft haben wir das Gefühl, dass den meisten Erwachsenen genau dieses Kind abhandengekommen ist? Das innere Kind, das am liebsten den ganzen Tag in seinem Element verbringen würde? Ich frage mich: Was wäre, wenn jeder Mensch auf der Welt in seinem Element wäre? Wenn er das täte, was ihm Spaß macht und worin er wirklich gut ist? Und wenn er damit auch noch verdammt erfolgreich wäre? Wie sähen dann Schulen, Unis, Unternehmen, Ehen und Familien auf der Welt aus?

Für mich ist die Antwort eindeutig. Sie motiviert mich enorm und treibt mich an, eine Bewegung in Gang zu setzen. Eine Bewegung, die zum Ziel hat, dass so viele Menschen wie möglich in ihrem Element sein können, den Mut finden, es auszuleben – und die notwendigen Strategien lernen, um das auch erfolgreich zu tun. Ich bin überzeugt, dass darin unser größtes Glück und unsere größte Freiheit liegen. Und zwar sowohl für uns als Individuen als auch für die Gesellschaft. Die Grundlage dafür legen wir im Kleinen: In unseren Schulen, Universitäten, den Elternhäusern – und in unserer täglichen Kommunikation. 

Das »saudomme« Physikgenie
Herr Schäfer, mein Mathematiklehrer in der zehnten Klasse, hat einmal zu mir gesagt (auf Schwäbisch, meiner Muttersprache): 
»Alexander, s’gibt Domme ond Saudomme – ond von de Domme bisch du koiner!«

Im Nachhinein habe ich manchmal das Gefühl, ich hätte mir für den Rest meiner Schulzeit ziemlich Mühe gegeben, diesen Satz (zumindest in den Naturwissenschaften) zu beweisen. Erst sehr spät, in der 13. Klasse, also kurz vor Schluss, bekamen wir einen neuen Lehrer in Physik. Er kannte mich noch nicht und wusste dementsprechend auch nicht, dass ich keine Ahnung von Physik hatte. Er sagte: »Heute gibt es ein neues Thema: Quantenphysik. Dafür müsst ihr alles vergessen, was ihr bisher über Physik gelernt habt.« Und ich dachte: Nichts leichter als das! Als er dann noch erklärte: »Um es zu kapieren, müsst ihr nur verstehen, dass ihr es nicht verstehen könnt«, war klar: Ich bin auf gewohntem Terrain! Gleich in der ersten Stunde muss ich dann offensichtlich etwas gesagt haben, das der neue Physiklehrer brillant fand. Die Sätze kamen mir einfach so über die Lippen, weil man nichts berechnen, sondern nur ein bisschen philosophisch denken musste. Ab dem Zeitpunkt war ich das Physikgenie in der Klasse – und meine Schulkameraden haben sehr geschmunzelt. Der beste Part: Am Ende meiner schulischen Laufbahn bekam ich zweimal in Folge 15 Punkte in Physik, also volle Punktzahl! Und als einer von insgesamt zwei Absolventen in der ganzen Jahrgangsstufe (der andere ist inzwischen Doktor der Physik) eine Auszeichnung für besondere Leistungen in der Physik und ein Stipendium von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. »Saudomm gloffe … «

Was ich dir mit dieser Geschichte vermitteln möchte, ist, dass dein Element rein gar nichts damit zu tun hat, was landläufig für Intelligenz gehalten wird. Denn die Intelligenz, die unserem Schulsystem und dem Intelligenzquotienten (IQ) zugrunde liegt, ist nur eine Form von Intelligenz. Die Wissenschaft weiß längst, dass es ganz viele Arten von Intelligenzen gibt, nicht nur eine. Neben der mathematisch-analytischen Intelligenz, auf welcher die Berechnung des Intelligenzquotienten basiert, gibt es zum Beispiel noch die linguistische, die musikalische, die räumliche, die kinästhetische, die interpersonale (zwischenmenschliche) und die intrapersonale (das Wissen und Verständnis von sich selbst) – um nur einige Beispiele zu nennen. Der Harvard-Psychologe Howard Gardner hat für seine Untersuchungen zu diesem Thema viel Anerkennung bekommen, du findest seine Ergebnisse im Internet:

mitdemelefantdurchdiewand.de/gardener

Die Fragen müssen also vielmehr lauten: 

WIE bist du intelligent? Auf welche Weise? Wie tickst du? Mit welchen Sinnen nimmst du deine Welt wahr? Auf welche Art erkundest du das Leben? Wie erschaffst du deine Realität? 

Darum geht es. Und damit sind wir sofort wieder beim Element und einer weiteren Frage, die mir oft gestellt wird: »Hat jeder Mensch ein Element? Und kann ich auch mehrere Elemente haben?« Ja, jeder hat ein Element. Und manche haben sogar mehrere. Unsere Elemente sind bereits in unserer Kindheit sichtbar. Wir sind zum Beispiel geniale Schrauber, Technikfreaks oder Spaßvögel … Später bauen wir dieses Element vielleicht aus und manchmal entdecken wir auch ganz neue Elemente. Alles ist möglich! Die Frage ist also nicht, OB du ein Element hast, sondern vielmehr: 

Wie findest du dein Element so schnell wie möglich und
wie wirst du darin so erfolgreich wie möglich?

Darum geht es in dieser Serie von Blog Beiträgen! 

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By |2019-10-21T10:39:41+00:00Oktober 21st, 2019|Alle|1 Comment

One Comment

  1. Corinna 27. Oktober 2019 at 15:21 - Reply

    Hallo zusammen,

    nach dem geeigneten Element oder der eigenen speziellen Intelligenz zu suchen, ist ein super Ansatz. Viele Job-Coaches fragen: welche Themen interessieren dich? Dies führt leider in eine Sackgasse. Um im Beispiel der Physik zu bleiben: es gibt in diesem beruflichen Betätigungsfeld Professoren, Hilfswissenschaftler, Assistenten, PR-Leute, Auftragsgenerierer, Verwalter. Für die Hälfte dieser genannten Tätigkeiten benötigt man lediglich ‘Begeisterung für Physik’ und zusätzlich vielmehr jeweils eine persönliche Stärke. Z.B. Unterstützungsfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Geschäftssinn. Erst in dieser Kombination würde jemand den Job erfolgreich und mit innerer Zufriedenheit ausüben. Weitergedacht ist das fachliche Thema möglicherweise sogar von nachrangiger Bedeutung, wenn man in seiner beruflichen Tätigkeit glücklich sein möchte. Man müsste also zuallererst seine persönliche Intelligenz herausfinden und dann mit Fachthemen verknüpfen, um – evtl. mit kreativen oder systematischen Methoden zum geeigneten Berufsbild für das Individuum zu kommen. Schade dass einen solchen ‘Generator noch niemand programmiert hat.

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